Konzeptvorstellung: Freiplottaverne

Die eigene Con veranstalten, mit den eigenen Ideen und Möglichkeiten die Spieler unterhalten und seine Vision Wahrheit werden lassen – das ist der Traum vieler Larper, bei dem jedoch einiges schief gehen kann. Ich habe selbst einmal eine eigene, kleine Taverne organisiert und war dort bereits vor logistische Herausforderungen gestellt, die ich allein niemals hätte bewältigen können. Deswegen will ich heute einmal über ein Con-Konzept laut nachdenken, um einige dieser Probleme zu umgehen. Ich würde es euch gerne vorstellen und am Ende wissen, was ihr davon haltet und ob es euch ansprechen würde.

Die Problemlage

Ich will zuerst die Probleme, die mir begegnet sind, nennen und dann zeigen, wie das weiter unten vorgestellte Konzept sie überwinden soll. Die offensichtlichste Hürde ist das Geld. Allerdings besitzt Geld eine unumgängliche Banalität. Das anzumietende Gelände kostet schlicht einen bestimmten Betrag und entweder man kann sich ihn leisten oder nicht. Die Kosten können jedoch reduziert werden, wenn an folgendes Schrauben gedreht wird:

Betragsmodell – als Orga weiß man nie, wie viele Spieler nun zur eigenen Con erscheinen, wie hoch die Ticketpreise gesetzt werden müssen und ob sich die Veranstaltung überhaupt rechnet (und damit meine ich, dass man kein Minus macht). Dazu kommt, dass umso höher der Preis der Veranstaltung ist, desto größer die Erwartungen der Spieler sind. Zugleich gilt es genügend Werbung zu machen und eventuell sich gegen konkurrierende Veranstaltungen durchzusetzen.

Material – ich habe festgestellt, dass die Geländekosten, zumindest als junge Orga, nicht das teuerste an der gesamten Veranstaltung sind. Gewandungen, Requisiten, Waffen, Plotgegenstände aber auch vollkommen banale Dinge wie Licht, Besteck oder Müllsäcke summieren sich zu hohen Summen, wenn man sie nicht im Blick hat.

Logistik – Für mich ein ganz großes Thema. Wer fährt wann was? Was tun, wenn plötzlich jemand absagt? Wie den ganzen Kram rechtzeitig zum Gelände und wieder davon wegbekommen? Ist man bei allen Dingen nicht vollkommen abhängig von anderen?

Es gibt natürlich noch tausend andere Dinge, wie den allgemeinen Orga-Kram mit Anmeldungen, Plot überwachen und Menschen organisieren. Aber die drei von mir genannten Hürden, sind die aus meiner Erfahrung größten und energieraubensten. Dagegen stelle ich nun folgendes Modell:

Das Konzept: Freiplottaverne

Ich habe nun die Idee, dass die Orga lediglich das Gelände mietet und dieses für die Plots der Spieler quasi untervermietet. Das heißt, ich habe als Orga eine Übersicht darüber, zu welchen Zeiten welche Flächen benutzt werden. Diese Slots werden den Spieler zur Verfügung gestellt. Im Idealfall sieht das wie folgt aus:

Bei der Anmeldung sagt die Spielergruppe, welchen Plot sie gerne ausspielen würde. Ich also Orga unterstütze sie dabei, so gut ich kann. Ich plane die Zeit und den Raum für sie, stelle eventuell (wenn vorhanden) NSCs oder auch Material für ihren Plot. Die einzige Einschränkung ist, dass an den Plots alle anderen Spielteilnehmer, sei es nur durch das Zusehen, teilnehmen können. Die Möglichkeit zu privaten, geschlossenen Plots besteht dann weiterhin, diese sind aber dennoch Teil der Spielwelt und müssen von den Spielern abgesichert werden. Zum Beispiel könnten NSCs als Wachen eingesetzt oder die Tür mit einen findbaren Schlüssel abgeschlossen werden, damit die Spieler zumindest die Möglichkeit besitzen, am Plot teilzunehmen.

Der Unterschied zur „Bring you own plot“ Taverne ist also, dass die Plotideen der Spieler aktiv unterstützt und in den Verlauf der Veranstaltung von der Orga eingeplant werden. Die Spieler erhalten so die Möglichkeit ihre Ideen zu realisieren, ohne den ganzen Anmeldungsstress, bringen dafür aber sich selbst und ihr eigenes Material mit. Die Orga kann kostengünstig ihre Veranstaltung mit Inhalten füllen, ohne übermäßig viel Material kaufen und transportieren zu müssen.

Der Nachteil des Konzepts

Den Nachteil sehe ich bei zwei Dingen:

1. Das Konzept braucht genügend plotschaffende Spieler und ausreichend Slots. Dafür habe ich noch leider kein Gefühl. Ein Großteil der Spieler, die ich kenne, sehen Larp eher als Dienstleistung. Sie gehen mit der Erwartung zu einer Veranstaltung, dass sie für ihr Geld bespaßt werden. Es ist eher der aktive Kern größerer oder älterer Gruppen, die gerne einmal ihre Ideen ausspielen wollen würden. Dieses Bedürfnis ist, meiner Erfahrung nach, aber ausreichend ausgeprägt, damit sich das Konzept für sie lohnen könnte. Die Schwierigkeit wird hieran also vor allem sein, die richtigen Leute zu informieren.

2. Das führt uns zum zweiten Nachteil des Konzepts. Es gibt nur bestimmt viele Flächen und Zeiten. Wenn alle Plätze belegt sind, melden sich dann überhaupt noch weitere Spieler an? Was ist, wenn Plots ihren zeitlichen Rahmen sprengen? Jeder hat sich in einen Slot eingekauft. Außerdem wäre die Frage, ob das Spiel nicht zu konfus dadurch wird. Wenn eine Gruppe einen Dämonen beschwört und die andere anschließend einen Ritterschlag im selben Raum ausspielt, fühlt sich das nicht zu willkürlich an? Sollte hier die Orga nicht schauen, dass die Plots zumindest thematisch passen?

Das sind alles keine unlösbaren Einwände, aber dennoch welche, die in die Planung einer solchen Veranstaltung miteinbezogen werden müssen. Jetzt seid ihr dran. Ich würde gerne wissen, was ihr von dem Konzept denkt, welche Probleme ihr vielleicht noch seht und ob euch dieser Ansatz überhaupt interessiert.

2 Gedanken zu „Konzeptvorstellung: Freiplottaverne

  1. yennico

    Deine Idee ist aus finanzieller und rechtlicher Hinsicht problematisch. Gehen wir Mal von einer Location mit zwei Räumen aus, die angemietet wird. Der Vermieter vermietet die Location an die Orga, die auch die Miete zahlen muss. Die Orga muss nun zwei Plotorgas finden, an die sie die Räume untervermietet und von denen sie das Geld für die Miete bekommt. Findet die Orga nicht genügend Plotorgas muss sie den Mietvertrag rechtzeitig kündigen und die Con absagen. Noch schlimmer wird es, wenn kurzfristig eine Plotorga aus nachvollziehbaren oder auch nicht nachvollziehbaren Gründen ganz aussteigt und somit ihr Anteil der Miete entfällt. Mit der Teilung in Orga und Plotorga kann es Kommunikationsprobleme geben z.B. wenn die Plotorga z.B. nicht genügend NSCs selber rekrutieren kann. Wenn alle Dinge in der Hand der Orga liegen, weiss diese wo es Probleme gibt und kann frühzeitig reagieren und gegebenfalls die Con absagen bevor Kosten entstehen.

    Wenn es mehrere Plotorgas gibt, können diese sich auch gegenseitig behindern oder entgegengesetzte Wünsche haben. Plotorgas als eigenständige Orgas haben mehr Rechte und Pflichten, die nicht jeder bereit ist zu übernehmen.

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    1. Ariatros Artikelautor

      Vielen Dank für deine Antwort. Du hast recht, das ist sehr stark von den Leuten abhängig, denen die Räume untervermietet werden. Das ist dann noch mal was anderes, als wen nein NSC ausfällt, weil man dann eventuell aufgrund von kurzfristiger Absage sein Spielversprechen für die Taverne nicht mehr einlösen kann. Wahrscheinlich funktioniert das dann nur wie auf einer Einladungscon, wo man die Leute kennt und auf ihr kommen vertrauen kann.

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