Normen im Rollenspiel – eine übersehene Perspektive?

Es war meine dritte Larp-Con. Ich nahm als NSC teil, weil ich bisher weder Geld für eine Gewandung noch genügend Spielerfahrung für eine Spielerrolle besaß. Ich hatte mich mit einem anderen Larp-Neuling zusammengesetzt und ein Sklavenkonzept ausgearbeitet. Ich sollte der Sklave sein, der sich freiwillig in die Leibeigenschaft verkauft hatte, damit seine Familie vom Sklavenhalter Geld zum Leben erhielt. Es war kein sonderlich komplexer Plot, aber zumindest einer, bei dem ich die Spieler mit einem interessanten, moralischen Problem konfrontieren wollten. Aus heutiger Sicht ist natürlich Sklaverei zurecht strengstens verboten. Die Leibeigenschaft hingegen erhielt sich historisch lange Zeit und wurde in ihrer Zeit kaum als anrüchig wahrgenommen. Doch anstatt eines interessanten, moralischen Reflektierens und Entscheidens endete das Spiel recht abrupt. Kaum war ich mit meinem Sklavenhalter auf dem Marktplatz, sammelte sich eine Schar aus Spielern um uns.

„Sklaverei ist böse! Sterbt ihr Hund!“, waren ihre einzigen Worte und dann zogen sie ihre Schwerter. Ich warf mich dazwischen, rief, dass sie ihn nicht einfach töten können, dass das Leben meiner Familie davon abhängt. Ich wurde zur Seite gestoßen und mein Mitspieler einfach abgemurkst.

„Jetzt bist du frei. Geh und genieße deine Freiheit.“, sagte einer der vermeintlichen Befreier – er spielte übrigens einen Nordmann und sollte vom Hintergrund genug Erfahrung mit Sklaverei haben. Ich probierte es noch ein letzte Mal. Versuchte zu erklären, dass mir der Tod meines Herren nichts gebracht hat und sie meine Familie zum Tode verurteilt haben. Die Reaktion war, dass sie mir den Rücken zudrehten und mir keine Beachtung mehr schenkten.

Was war da passiert? Hatte ich einfach nur Pech mit den Spielern gehabt? Leider geschieht diese Unreflektiertheit gegenüber der historischen Einbettung und geltender Normen immer wieder im LARP. Das kann ich jedes Mal beobachten, wenn sich Chaos-Spieler auf einer Con aufhalten. Alles an ihnen schreit, wir sind das plumpe, pure böse. Sie selber spielen plump das pure Böse und gehen jeden anderen damit auf die Nerven. Was tun also die genervten Spieler abends am Lagerfeuer? Richtig, sie setzen sich zu den Chaoskriegern und lassen sich von denen beschnacken, dass der Blutgott ja für Ehre steht, der Intrigengott für Fortschritt, der Krankheitsgott für die Natur und der Perversionsgott für Liebe. Sie sind ja eigentlich auch die Guten, nur eben auf ihre Art gut. Als dann selbst der Sigmarpriester, der Erzfeind der Chaosgötter, anfängt zu lamentieren, dass sie noch gerettet werden könnten, wenn sie sich dem Heldentross anschließen, werden die dahinter liegenden Werte mit Füßen getreten. Doch die Spieler scheuen die Konfrontation und signalisieren mit ihrem Schweigen Zustimmung.

Wieso traut sich keiner für das „Böse“ einzustehen und es als solches zu behandeln? Wieso sagt der Khorne-Berserker nicht: „Ich seid Schwächlinge in den Augen des Blutgottes und verdient es nur zu meiner Belustigung abgeschlachtet zu werden!“? Das wäre authentisch, das wäre ehrlich und würde klare Grenzen bilden. Aber auch hier stehen wieder Normen dazwischen, allerdings OT-Normen. Denn die Chaoten sind ja Spieler und das ist für die meisten ein Problem. Denn alle sind sich einig: Spielertod ist doof. Also anstatt für die eigenen Werte ihrer Lichtgötter einzustehen, verdrehen und verbiegen sie sie so sehr, dass man am Ende doch irgendwie gezwungen harmonisch miteinander auskommen kann.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: ich halte die Stellung von Werten im Rollenspiel für zu wenig beachtet und durchdacht. Ich will heute darstellen, warum das Problem ist und Werte eine echte Bereicherung für das Spiel darstellen können.

Das Problem mit den Normen

Werte sind Orientierungspunkte unserer Gesellschaft, was als gut und erstrebenswert gelten kann. An ihnen knüpfen sich Rollen, Erwartungen und Ziele. Sie werden über Sozialisierung dem Subjekt nahe gebracht und in den jungen Jahren internalisiert. Normen sind maßgeblich dafür verantwortlich, ein geregeltes, erwartbares Leben zu führen. Normen erschaffen Normalität. Ich weiß, dass ich nicht ausgeraubt werde, sobald ich meinen Fuß auf die Straße setze, weil in Deutschland die Normen des Schutzes von Leben, Freiheit und Eigentum gelten.

Das wiederum macht jedoch den Blick auf die eigenen Normen nicht ganz leicht. Wie soll ich über etwas reflektieren, das ich als gegeben und selbstverständlich hinnehme und was ich sogar zurecht von anderen erwarten kann? Dadurch entsteht, meiner Meinung nach, eine Ambivalenz im LARP.  Einerseits will ich eine Mittelalter-Fantasy-Erlebnis haben. Das kann ich nur erhalten, wenn es irgendwie authentisch ist. Das bedeutet, ich identifiziere im Spiel bestimmte Schlüsselvorstellungen, die ich mit dem Setting oder der historische Zeit verbinde.
Andererseits bringe ich aber auch meine normative Prägung mit ins LARP. Ich habe also bereits vorgefasste Meinungen zu bestimmten Themen, wie Folter, Adel oder gut und böse. Beide Erwartungen werden sich jedoch an zahlreichen Punkten widersprechen. Nun sehe ich nur wenige Spieler, die den Sprung weg von ihren internalisierten Normen wagen und die das neue normative Konzept annehmen. Stattdessen lässt sich oft ein Aushandlungsprozess beobachten. Wir sind zwar eigentlich böse, aber… Damit stehen Spieler jedoch zwischen den Stühlen. Sie wissen, dass ihre Aushandlung (und das gilt auch für die Lichti-Spieler) weder mit ihrem internalisierten Normen noch mit den historischen Normen anschlussfähig ist. Daraus ergibt sich ein Gefühl der Spannung, der Gezwungenheit und vor allem der Unglaubwürdigkeit.

Der Wert der Normen

Das Punkt ist, meiner Meinung nach, deswegen so schade, weil es eine Schlüsselerfahrung im LARP behindert. Ich für meinen Teil spiele etwa Rollenspiel, um der gewohnten Welt für eine kurze Zeit zu entkommen. Ich will gar nicht Ich sein, sondern mich auf das Abenteuer einlassen, jemand anderes mit neuem Hintergrund und eben auch neuen Werten zu sein. Das muss auch keine unsympathische Richtung nehmen. Als Herold bin ich einer Kriegerin begegnet und das erste, was ich sie fragen musste, war, wie sie denn zu ihrer Profession gekommen ist. Schließlich ist es mehr als unüblich in meinen Kreisen, dass Frauen eine Waffe führen. Sie hat darauf die Chance genutzt und mir ihre Hintergrundgeschichte erzählt, während ich ein wenig über mein Land reden durfte. Anschließend haben wir noch ein wenig über den Sinn und Unsinn von bewaffneten Frauen diskutiert. Während sie von allen anderen Junkern und Rittern als Kriegerin akzeptiert wurde – wobei das mittlerweile für nahezu jede Profession und jede Fantasyrasse im LARP gilt – hat das Ausspielen eines einfachen, kulturellen Wertes viel Spiel erzeugt. Letztendlich ist es doch auch genau diese Fremdheit, die das LARP so spannend macht. Die meisten Spieler geben sich große Mühe mit ihrer Gewandung. Sie tragen diese Geschichte wortwörtlich mit sich herum und da ist es doch mehr als schade, solch einen Anblick als selbstverständlich abzutun. Natürlich schwingt immer die Befürchtung mit, dass man mit einem Spieler ein 08/15 Gespräch führen wird und hinter der schönen Fassade doch nur das Gewohnte wartet. Aber genau an diesem Punkt helfen Werte eine spannende Konfrontation aufzubauen.
Ich könnte wohl noch lange zu diesem Thema weiterreden. Aber ich denke, da hat auch jeder von euch, eine Meinung. Wie seht ihr das mit den Werten? Hattet ihr schon mal eine Situation, in den es zu einem Bruch gekommen ist oder andersherum, ihr das Spiel bereichern konntet, weil ihr neue Werte angenommen hattet? Dann schreibt es gerne in die Kommentare.

9 Gedanken zu „Normen im Rollenspiel – eine übersehene Perspektive?

  1. ghoul

    Ich fühle mit dir.
    LARP ist leider nicht mehr, was es mal war. Du kommst etwa 25 Jahre zu spät für knallhart konsequentes LARP.
    Halt, Moment: Da gibt es noch die LARPs nach Phönix-Regelwerk, eine echte Empfehlung! Leider vor allem in nördlichen Gefilden Deutschlands verbreitet, daher hatte ich nur einmal das Vergnügen.

    BTW: Du bloggst im 2. Corona-Jahr über LARP? Finden denn wieder welche statt?

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    1. Ariatros Artikelautor

      Danke für deinen Kommentar. Es ist schön, mal wieder von dir zu lesen 🙂
      Jup, es geht langsam wieder mit LARP los, zumindest in NRW, wo sich ein Großteil meiner Gruppe befindet.
      Phönix habe ich auch ein paar Jahre lang bespielt. Tulderon war mal meine Hauptconreihe. Die haben durchaus interessante Ideen für ihr Regelwerk, aber am Ende ist es meiner Meinung nach an der Umsetzung gescheitert. Aber ich sag mal so, mir reicht ein Du kannst was du darstellen kannst – Regelwerk. Am Ende ist die Frage nach Normen und Authenzität ja vor allem eine von Regeln losgelöste IT-Frage. Ich habe da aber oft den Eindruck, dass das Spieler zurückstellen, entweder aus OT-Normen (Spielertod ist doof oder allgemein: er ist ein Spieler, ich kann nur in einem eingeschränkten Sinne mit ihm interagieren) oder weil sie ihre Rolle nicht konsequent genug spielen.
      Der Punkt ist, wenn du sowas Krasses wie einen Chaoskrieger spielen willst, musst du davon ausgehen, dass die Welt entsprechend auf die reagiert. Ich weiß nicht mal, ob ich es den Spielern böse nehmen würde, wenn die mich bei Sichtkontakt angreifen. Weil das ist ja auch irgendwie das, was ich erwarte und auch ausstrahlen will.
      Wir sind glaube ich einen zu harmonischen Ansatz gewohnt. Aber es ist doch gerade dieser clash of cultures der LARP so interessant macht. Also weil es Fremdheit, weil es Konflikt gibt, kann ich ein tolles Spiel mit anderen haben. Vielleicht ruhen wir uns auch zu sehr in so OT-Komfortzonen aus. Nach dem Motto: ja, ich spiele einen Chaoten, aber nur weil ich jeden meine coole Rüstung zeigen will und zwei, dreimal am Tag kloppen will. Das heißt dann LARP für mich.
      Also vielleicht kann man es so abrunden, dass schon gar nicht die OT-Werte für konsequentes Spiel selbstverständlich sind auf LARP, die konsequente IT-Werte bedingen.

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    2. Andreas (RPGnosis)

      Da hat der Ghoul recht. Bin aus der Szene auch seit inzwischen schon vielen Jahren raus, aber 2000 wäre kein Spieler auf die Idee gekommen, auf einem Wald- und Wiesen-Larp einen Chaoskrieger zu spielen…
      Gemeines LARP ist (meiner Erfahrung nach, die vor allem auf den Jahren 1998 bis 2012 fußt) für „serious“ Rollenspiel eher wenig geeignet, solange man nicht gezielt auf Themen-Veranstaltungen geht. LARP brilliert beim Tavernenspiel, alles andere kann P&P mAn besser.

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      1. Ariatros Artikelautor

        Ja, ich hätte diese alte Zeit gerne erlebt. Heute wirkt das eher wie eine Art Popkornunterhaltung. Anstatt sich ein Konzept bis zum Ende zu durchdenken, gibt es viele impulshafte Ideen, die dann zum Beispiel in der Rolle als Chaoskrieger enden. Mir persönlich aufgefallen ist das mit dem Erscheinen von Total War: Warhammer. Auch nach der ersten Staffel von Wikings hieß jeder dritte Nordmann Ragnar oder Flocki. Was ich sagen will: ich denke, dass die Popkultur einen großen, normativen Einfluss auf heutige Spielkonzepte haben kann. Das Problem daran ist jedoch, dass sie stark komprimierte und meistens für einen Plot konstruierte Charaktere abbildet. Das heißt, die Spieler verlieben sich in ein Konzept, was einen oder zwei Aspekte überbetont, die aber in einem allgemeinen Zusammenspiel, ohne den spezifischen Kontext der Serie oder des Spiels, wenig Sinn machen oder Probleme erzeugen. Das ist dann wie bei Games Workshop: die Verpackung lacht dich so sehr an, dass du die Box mitnimmst, ohne dir Gedanken zu machen, dass du das Zeug auch noch zusammenbauen und bemalen musst.
        Das ist besonders dann schade, wenn sich die Menschen so viel Mühe bei der Gewandung geben. Weil gerade Chaoskrieger sehen oft sehr gut aus. Also die Liebe zum Detail und zu der Verpackung ist. Es bleibt nur leider eine Verpackung.

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  2. ghoul

    Mit DKWDDK habe ich gaaanz schlechte Erfahrungen gemacht (in Sachsen). Die Leute haben einfach nur „Du kannst was du willst“ gespielt, echt behämmert.
    Bei Phönix war cool, das der Tod der Personnage eine reale Gefahr war. Da hatten Entscheidungen echte Konsequenzen. Es war gnadenlos, wie ich es zuletzt 1998 erlebt hatte.
    Die Murmelbeutel naja, und das Fertigkeitstraining im Spiel, darauf kann ich gerne verzichten. Aber wenn ernsthaft gespielt wird, nehme ich das auch gerne in Kauf (und steigere ohne zu Klagen meine Fertigkeiten eben zum doppelten Preis, statt doofes Training auszuspielen).

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    1. Ariatros Artikelautor

      1998 – wow, da war ich 9 Jahre alt. Das würde mich auch mal interessieren, wie LARP damals war. Aber weder das mit den Murmeln (was echt umständlich ist), noch das mit dem Training (was okay ist, wenn man ein spaßiges Konzept hat, aber du hast recht, meistens kommt da nur Müll) hat sich bis heute geändert. Spannend finde ich am Phönix diese Charakterdatenbank. Du hast tatsächlich einen Nachweis für alles, eine Art Charakterbogen und es ist alles nachprüfbar. Dadurch werden dann neue Möglichkeit gegeben: wie das Ermitteln, das Fälschen usw.
      „Du kannst, was du willst“ hat man leider bei fast jeder Con. Besonders schlimm ist da das Thema Magie. Man kann einfach nicht nachprüfen, wie viel Mana jemand hat oder im Kämpfen wie viele Lebenspunkte. Ich hatte mal einen Spieler erlebt, der war eine Mischung aus einem Engel, einer Fee und einem Drachen. Der der lief dann einfach gelangweilt über das Schlachtfeld, taschte jeden Spieler am Boden einmal an und sagte dabei: Wiederbelebung, Vollheilung, Vollheilung, Vollheilung, Wiederbelebung, Wiederbelegung …. das war schon hart albern. Zumal du mit so einen Quatsch einfach alles negierst. Jede Leistung im Kampf, der Koordination und Taktik wird einfach zunichte gemacht. Aber im Gegenzug erhälst du kein gutes Spiel oder Erlebnis. Stattdessen patscht dir ein fetter Typ an die Schulter und du sollst geheilt sein. Ein anderer Klassiker ist das sogenannte Plattenschwein, dass einfach jeden Treffer ignoriert.
      Der Punkt ist, dass alles, was nicht nachprüfbar ist, für Missbrauch anfällig wird. Viele Spieler halten sich an die Regeln, aber es reicht die eine Pappnase, die es nicht tut, um das Spielerlebnis für die anderen zu ruinieren – das ist wie beim PnP.
      Die Frage ist dann natürlich, was macht dagegen? Die meisten ignorieren solche Pappnasen, aber das löst meiner Meinung nach nicht das Problem, sondern verschlimmert es. Weil wieder steht da, um auf das Thema zurückkommen, eine OT-Norm. Ich will mich mit so jemanden nicht befassen, ich will keinen Stress, ich muss das ausblenden. Einmal war ich bei einer Wikingergruppe, die sind gnadenlos auf solche Pappnasen losgegangen. Das war damals ein sogennantes Plattenschwein. Ein Ritter mit unendlichen Lebenspunkten. Die Wikinger waren NSCs und haben auch entsprechend mehr ausgehalten, nur waren das fitte Kämpfer. Selbst nachdem jeder Spieler um ihn gefallen war, kämpfte der noch weiter und merkte aber, wie ihm langsam die Puste ausging. Der Kampf hat nur aufgehört, weil ihm die Ausdauer ausgegangen war. Als er dann 5 Minuten später wieder da stand und kämpfen wollte, haben alle ausgespielt, dass seine Rüstung durchlöchert ist. Er konnte dann sagen, was er wollte. Einfach durch das gemeinsame, konsequente Spiel konnte die Pappnase gar nicht anders, als sich zu fügen. Der hat dann erstmal seine Rüstung repariert und sie an: da kamen Spieler, die ihn gefragt hatten, ob er noch was vom örtlichen Schmied braucht, ob er Werkzeuge benötigt usw.
      Wer übermächtig ist, benötigt keine anderen Spieler. Das macht das Gottsein so langweilig. Sicherlich, für den Moment fühlt sich das toll an, einfach das größte zu sein. Auf mittlere und lange Sicht jedoch nimmt es jeden Grund für Interaktion.

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  3. John Doe

    Hi, das ist tatsächlich ein interessantes Thema, das selten Behandlung findet. Zugegebenermaßen ist das aber auch schwer. Aus der Sicht des Pen&Paper sind mir zwei Bereiche aufgefallen, wo OT-Normen die IT-Normen oft stark überdecken.
    Das eine ist Respekt und Gehorsam gegenüber Authoritäten. Da fällt es vielen schwer sich ins Setting einzupassen, selbst wenn die Spielleitung die Zügel lockerer lässt, als es die IT-Norm eigentlich vorschreiben würde. Klassisches Beispiel ist, dass dem Adel in Fantasy-Settings respektlos begegnet wird. Aber nicht, weil das Charakterkonzept es bedingt, sondern nur weil sie ihre OT-Normen hereintragen.
    Der andere Aspekt ist Religiösität/Spiritualität. Selbst eigentlich gute Spieler:innen schaffen es oft nicht, ihre eigene a-/antireligiösität abzulegen und spielen a-/antireligiöse Charaktere, obwohl das Setting es eigentlich nicht wirklich hergibt.

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    1. Ariatros Artikelautor

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Zu Respekt und Gehorsam kann ich dir einen ganzen Roman als Antwort schreiben 😀 (keine Sorge, entgegen meiner schwatzhaften Natur werde ich mich kurz halten)
      Ich spiele selbst in einer Adelsgruppe und das ist quasi Dauerthema bei uns. Ich kann dir da nur beipflichten. Wir überlegen uns immer wieder, wie wir dieser respektlosen Behandlung entgehen können. Oftmals kommt da das Argument bei Adel allgemein, dass die Adelsgruppe zu wenige sind und man dann den Adel nicht abnehmen könnte. Der Punkt mag nicht ganz falsch sein, allerdings gibt es durchaus Fälle, in denen eine Adlige ganz allein ihre Rolle als Adlige durch ihr Spiel und die von ihr verkörperten Werte darstellen konnte.
      Ich glaube, und da geb ich dir völlig recht, dass da einfach OT-Normen entgegen gebracht werden, bzw. kein Verständnis für damaligen Adel vorhanden ist. Mich nervt es ja auch immer, dass Adel ständig rumbrüllt, weil die Leute scheinbar denken, ansonsten keinen entsprechenden Respekt zu erhalten. Selbstverständlich haben wir heute andere Werte und wenn man einen Adligen von damals konsequent spielt, widerspricht das den Werten, die wir internalisiert haben. Aber gerade das sollte doch interessante Spielmöglichkeiten geben, als direkt durch OT-Normenprägung abgewertet und verschmäht zu werden. Allerdings scheint es mir häufig so zu sein, dass die Trennung zwischen IT und OT nur von wenigen Spielern wirklich vollzogen wird. Oft ist es ein Limbus aus beiden, bei dem die Leute sich tatsächlich persönlich angegriffen fühlen, wenn man kantige, historische Begebenheiten (wie etwa die Rolle der Frau) ausspielt. Du hast übrigens auch mit der Antireligiösität Recht, weil es immer gleich mit Extremismus und Fanatismus verbunden wird. Aber gut, dann hast du Lichti-Spieler und Chaoskrieger, also zwei Extreme, die genau dass dann darstellen. Aber meiner Meinung nach auch deswegen, weil ihnen wieder die entsprechenden Normen fehlen und sie im Grunde nur Bilder aus der Popkultur nachspielen.

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  4. alexandro

    Prinzipiell finde ich solche Sachen gut, habe jahrelang in einem Vampire-LARP mitgespielt, wo dies sehr konsequent umgesetzt wurde (durch Vampire die in unterschiedlichen Epochen erschaffen wurden und deren Ansichten aus diesem Grund viel „Reibungsfläche“ boten).

    Andererseits habe ich auch schon LARPs erlebt, wo das eben nicht gut umgesetzt wurde (Phönix), wo wegen eines kleines Fehlers oder In-Game-Gründen über welche Spielende keinen Einfluss hatten (weil sie nicht darüber informiert wurden), deren Charaktere von großen Teilen des Spiels ausgeschlossen wurden (und das waren teilweise Spieler, welche durch die halbe Republik gereist waren, um am LARP teilzunehmen – bei einem groben Verstoß gegen IG-Normen muss man (je nach Spielstil) ggflls. reagieren, aber in dem Fall war es einfach nur „ankacken“ von Seiten der SL, um zu zeigen wie „erwachsen“ man doch spielt).

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