Aufgrund meines Umzuges nach Koblenz habe ich derzeit leider wenig Zeit. Doch zum Jahresende wollte ich noch einmal über etwas – oder in diesem Fall jemand – besonderes berichten. Ich durfte eine Pen and Paper (PnP)-Gruppe kennenlernen, die seit ihrer Studienzeit miteinander spielt und bis heute, weit in die Berufstätigkeit hinein, nicht damit aufgehört hat. Welche Rolle die Festtage darin spielen, will ich kurz erläutern.
Von Geschenken zur Gruppe
Ich hatte wie immer um diese Jahreszeit überlegt, was man wohl seinen PnP-Mitstreitern schenken könnte. Durch Zufall habe ich mich dabei mit einer Arbeitskollegin ausgetauscht, von der ich wusste, dass sie auch W20, das unverkennbare Markenzeichen von Dungeons and Dragangs (DnD)- oder Das Schwarze Auge (DSA)-Spielern, besitzt. Sie erzählte mir dann, dass sie seit 14 Jahren regelmäßig und immer noch aktiv mit Stufe 20 Charakteren DnD spielt. Dazu fertigte sie für dieses Jahr zusammen mit ihrer achtköpfigen Gruppe einen gemeinsamen Weihnachtskalender an.
Zentrum der Geschenkideen war, dass sich die Gruppe einen eigenen Namen (Dice and Doom) und ein Logo gegeben haben (zu sehen im Beitragsbild). Dazu wurden dann für die einzelnen Türchen Sticker, Schlüsselanhänger, Tassen, T-Shirts und so weiter hergestellt. Ich als Tabletoper habe mich übrigens über den Nachbau der Charaktere via HeroForge gefreut. Diese Idee, dass jeder in der Gruppe zu den Feiertagen eine Kleinigkeit herstellt und die Gruppe als Ganzes dann Bescherung feiern kann, fand ich vorbildhaft. Es machte mich aber neugierig, wie sie diese lange Zeit als Gruppe überstanden hatten.
Wie haben sie die Gruppe zusammengehalten?
Vorweg steht eine banale Tatsache: Sie sind nicht nur Gruppenmitglieder, sondern auch Freunde. Das heißt auch unabhängig vom PnP haben sie schöne Erinnerungen, gemeinsame Zeit und Hobbys miteinander geteilt. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass das die Bindekräfte deutlich erhöht. Sind Personen lediglich in der Gruppe, weil sie dem Hobby frönen wollen, können sie das auch in anderen Gruppen und werden es auch tun, wenn ihnen diese Gruppe nicht zusagt oder gar Spannungen entstehen. Unter Freunden ist es dagegen noch einmal einfacher Konflikte zu verhandeln und zu schlichten. Gleichzeitig steht nämlich auch mehr auf dem Spiel als nur ein Gruppenwechsel. Damit sind andere Gruppenmitglieder ebenfalls daran interessiert, die Harmonie in der Gruppe zu erhalten.
Noch erstaunlicher empfand ich, dass im realen Leben innerhalb der Gruppe Beziehungen geführt wurden, auseinandergebrochen und innerhalb der Gruppe wieder neu entstanden sind sowie sogar geheiratet wurde. Aus meiner bisherigen Erfahrung war so etwas immer Gift für eine Gruppe, weil die Betroffenen sich verständlicherweise nicht mehr an einen Tisch setzen wollten oder es zu Eifersucht kam. Um solche Ereignisse als Gruppe zu überstehen, bedarf es meiner Meinung nach schon starke Bindungskräfte.
Das ist der nächste, relevante Punkt. Die Entstehung einer eigenen Gruppenidentität mit Logo, Motiv und alles, was darum aufgebaut wurde, scheint mir einen großen Effekt auf den Zusammenhalt gehabt zu haben. Sie sind nicht nur eine Clique von Freunden, die PnP spielen, sondern Dice and Doom. So viele durchlebte Krisen, errungene Triumphe und schöne Momente fließen in diesen Namen. Er steht voller Stolz am Schlüsselbund, in der Küche auf Tassen und als Bettwäsche im Schlafzimmer. Die Materialisierung der gemeinsamen Geschichten, so scheint es mir, hält sie lebendig. Dazu kommt dann der wichtige Anteil von Eigeninitiative für die Gruppe. Ihre Termine, so wurde mir erklärt, sind ihnen heilig. Zum Jahresende werden die Rollenspielsitzungen für das kommende Jahr bekannt gegeben und jeder wird sich dafür frei nehmen. PnP wird zu einer ganz besonderen Art der Zusammenkunft, um die langanhaltende Freundschaft zwischen ihnen zu würdigen.
Nachdem ich selbst Mitglied zahlreicher PnP-Gruppen war und mehr Tiefen als Höhen damit erlebt habe, kann ich so eine konsequent bespielte Gruppe nur bewundern. Es zeigt, welche Schönheit im Hobby stecken und wie es das eigene Leben und das der anderen bereichern kann. Ich freue mich daher, das Jar mit diesem Beispiel beenden zu können und wünsche ich euch einen guten Rutsch! =)
