Dieses Mal war ich zum ersten Mal auf der Spiel Essen, der größten Brettspielmesse der Welt. Ich will deswegen hier über meine Impression berichten und die Frage beantworten, ob sich ein Besuch lohnt.
Zeit zum Spielen?
Die Spiel ist groß. Auf fünf Ausstellungshallen verteilten sich Familien-, Kenner-, Expertenspiele sowie Tabletop. Erwartungsgemäß war der Besucherandrang sehr hoch. Wer einmal auf der Gamescon war, hat ein grobes Bild, wie viele Menschen sich an den Ständen aneinander vorbei gedrängt haben. Entsprechen waren auch die freien Spielplätze eine Rarität. Wer tatsächlich kommt, um spielen zu wollen, so mein Eindruck, musste sich entweder im Vorfeld für Spielrunden anmelden oder längere Wartezeiten von 45-60min an einem Tisch in Kauf nehmen.
Das hatte, meiner Meinung nach, die SpielDoch Dortmund besser gelöst. Dort gab es zwar auch Verlagsstände mit begrenzten Spielangebot, aber etwa ein Drittel der gesamten Messe bestand einfach aus Spieltischen, an denen beliebige und ausleihbare Spiele ausprobiert werden konnten. Während ich auf der SpielDoch vier Brettspiele anprobieren konnte, waren es auf der Spiel lediglich zwei Kartenspiele. Ein weiteres Problem bestand in dem Personal, welches die Spiele erklären sollte. Beim ersten Mal wurden uns die Regeln stark fehlerhaft erklärt, wodurch wir einen völlig falschen Eindruck von dem Spiel gewonnen hatten. Beim zweiten Mal konnten gar keine Fragen zu dem vorgestellten Spiel beantwortet werden, wodurch wir uns dann selbstständig und langwierig durch das Regelwerk kämpfen mussten. Ich will hier auf keinen Fall die Beschäftigung des Erklärens oder die Personen, die sich dankenswerterweise dazu verpflichtet haben, herabwürdigen. Ganz im Gegenteil, ich will die Wichtigkeit dieser Funktion unterstreichen. Denn selbst wenn es gelungen ist, einen Platz zu ergattern, ist damit noch kein Losspielen garantiert. Zeit ist aber ein Punkt, dazu komme ich gleich, der bei Spiel unbedingt Beachtung finden muss.
Aus den genannten Punkte komme ich deswegen zu dem Schluss, dass man die Spiel nicht primär zum Spielen besuchen sollte. Dafür ist das Spielangebot zu begrenzt, die Plätze zu begehrt und der Aufwand insgesamt zu hoch.
Zu viel zu sehen?
Der nächste Punkt, den ich dem Zusammenhang hervorheben muss, ist die eigene Aufmerksamkeit bzw. Erschöpfung. Ich bin zuerst durch die Tabletop-Halle gegangen und als Tabletoper habe ich mich wie ein Kind im Süßigkeitsladen gefühlt. Es gab unheimlich viel Neues, schön Bemaltes und Spannendes zu entdecken. Ich hatte das Gefühl, ich könnte den gesamten Tag in der Halle verbringen können. Nach dieser Halle war ich aber erschöpft, weil ich irgendwann von den Eindrücken überwältigt wurde. Ich kann wirklich nur nochmal unterstreichen, dass die Spiel groß ist.
Mein einer Tag, den ich eingeplant hatte, hat gerade einmal dazu gereicht, durch die fünf Hallen zu huschen und die wichtigsten Verlagsstände zu passieren. Je länger ich jedoch unterwegs war, desto mehr Spiele zogen unbemerkt an mir vorbei. Bei der Gamescom stehen gewaltige Aufbauten, die für ihr Spiel werben. Auf der Spiel, auf der die Spiele eher kompakt gelagert stehen, lassen sich dagegen schnell kleine Schätze übersehen, wenn nicht auch in den kleinen Nischen nachgeschaut wird. Das ist total schade und zeigt mir, dass ich beim nächsten Mal mehrere Tage einplanen muss.
Lohnt es sich?
Ich muss die Antwort auf diese Frage ein wenig differenzieren. Kommt man auf die Spiel, um Spiele zu spielen, dann lohnt es sich nicht. Kommt man jedoch auf die Spiel, um sich über Neuheiten zu informieren oder spannende neue Spiele zu entdecken, dann gibt es dafür wohl keinen besseren Ort. Das sollte der geneigte Besucher allerdings auch im Vorfeld wissen. Es gibt so unheimlich viel zu sein, dass es sich empfiehlt, klare Prioritäten (etwa erster Tag Verlage und bestimmte Spiele und zweiter Tag Entdeckungstour) zu setzen. Dann steht einem jedoch eine fantastische Reise in die Welt der Brettspiele bevor.
Hier sind einige Perlen, die ich für ich entdeckt habe:
Mesopotania – Ich liebe Antike und Zivilisationsaufbauspiele. Mesoptamia ist damit nicht nur in meinem Beuteschema, sondern hat auch fantastische Miniaturen.

Hybris – Im Grunde ist es die Ilias mit Mechs. Was total abgedreht klingt, sieht (der Prototyp war nicht spielbar) nach einem komplexen und anspruchsvollen Strategiespiel aus.

Dont Starve – Der Survival-Klassiker als kooperatives Brettspiel. Es hat den Charme gut eingefangen.

Echo-Team – Spannendes Wargaming Projekt über Spezialkräfte, die verschiedene Missionen absolvieren. Es ist aber noch nicht über Kickstarter vollständig finanziert.

