Stumpf – eine leere Taverne und trotzdem ein Erfolg

Ich habe am Wochenende an meiner ersten sogenannte Stumpf-Taverne teilgenommen und will euch hier davon berichten. Das Stumpf-Konzept ist tatsächlich eine Idee, die ich auch mal hatte, um Tavernen zu organisieren. Die eigentliche Orga macht nicht viel mehr, als die Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Das heißt, sie stellt den Ort, dekoriert, bestimmt die Zeiten, macht die Ansprachen – also im Grunde alles, was sie auch bei einer regulären Taverne durchführen würde – aber eines macht sie nicht: Inhalte liefern. Eine Stumpf-Taverne ist im Grunde eine Form des Gewandungsgrillens mit dem Unterschied, dass hier niemand OT (Out-Time, außerhalb der Rolle) ist und die Leute ihre Charaktere spielen. Es ist ein Leerraum (im doppelten Sinne, wie sich zeigen wird), der durch Spieler gefüllt werden kann. Erwartet wird jedoch nichts, außer Getränke, Gewürfel und Gesellschaft.

Nun begab es sich, dass ich ja bereits zuvor für die Hallgau-Orga Plots durchgeführt habe. Das hat gut funktioniert und deswegen hatte ich das auch für die Stumpf-Taverne angeboten. Was ich nicht wissen konnte, war, dass mein vorbereiteter Plot auf einen leeren Raum treffen würde.

Vorbedingungen

Die erste Frage, die ich mir gestellt hatte, war: wie konnte das passieren? Warum sitze ich mit gebastelten Plotgegenständen, NSCs, Skript, ausgedruckten Tagebucheinträgen und einiges mehr zusammen mit der Orga traurig in einem leeren Raum?

Die Orga suchte die Antworten in der Organisation. Die Stumpf-Taverne war sehr kurzfristig angesetzt gewesen (2 Wochen vorher), weil die Orga die Errungenschaft für sich reklamieren wollte, die erste Taverne dieses Jahres in Leipzig veranstaltet zu haben. Dazu kam so gut wie kein Marketing. Bis auf einen Post auf Facebook blieb die Werbetrommel ungerührt. Dann hatten Teile der Orga selbst keine Lust auf das Konzept und kamen nicht oder nur zwischendurch einmal vorbei.
Ich glaube aber, dass es vor allem um ein konzeptionelles Problem handelte. Es war bekannt, dass die Stumpf-Taverne nur ein Saufgelage ohne Plot war. Das schien für viele Spieler nicht sehr attraktiv zu sein. Die gut besuchten Hallgau-Tavernen zeichneten sich durch einen guten bis sehr guten Plot, bekannte und gemochte GSCs (Gelenkte Spielercharaktere) sowie eine fortlaufende Geschichte aus. Nichts davon würden Spieler in einer regulären Stumpf-Taverne finden. Ehrlich gesagt wunderte ich mich, dass dieses Konzept überhaupt so lange überlebt hatte.

Die Wende

Bestätigt wurde dieser Gedanke, als über Whatsapp wurde geschrieben wurde, dass es heute doch Plot gab. Es wäre sehr schade gewesen, wenn er nicht gespielt werden könnte. Tatsächlich dauert es nicht lange, da kleckerten die ersten Spieler hinein. Zunächst waren es nur 2 Stammspieler. Da niemand wusste, ob noch mehr Spieler kommen würden, hatten wir dann mit den beiden das Spiel begonnen. Es kamen später aber noch einige andere. Das machte es schwierig, die Leute zum Plot zu lenken, da der Initialmoment bereits verstrichen war. Da der Plot aber sehr niedrigschwellig war (es ging um eine Schatzsuche), gelang es schließlich, ausnahmslos jeden Spieler durch die dunklen Weinkeller der Taverne zu scheuchen. Dadurch, dass die Gruppe so klein war, empfanden sie sich zudem als Schicksalsgemeinschaft, in der jeder gehört wurde und etwas beitragen konnte. So wurde eine Katastrophe mit Ansage noch in einen schönen Rollenspielabend verwandelt.

Fazit

Diese Geschichte hat mir verdeutlicht, wie fundamental wichtig ein Plot für eine Larpveranstaltung ist. Spieler gehen nicht aus einem Selbstzweck auf eine Larp-Veranstaltung. Larp ist kein Cosplay, bei dem es um die bloße, optische Präsentation geht. Larper wollen spielen.

Ein Plot ist ein ständiges Angebot genau das zu tun. Bereits ohne konkrete Spielmechanismen erzeugt ein Plot allein durch seine Anwesenheit ein Spielangebot. Wer daran teilnehmen will, wird sich mit anderen Spielern vernetzen, Informationen austauschen und weitere Aktionen besprechen. Er ist wie eine Art Brandbeschleuniger für Spielerinteraktionen. Eine Taverne ohne Plot nimmt das Versprechen von gemeinsamen Abenteuern und Spiel. Die Hoffnung darauf, dass die bloße Präsenz von Larpern ausreichend Spiel erzeugt, um einen Abend zu füllen, wurde für mich mit diesem Abend entzaubert.

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