Hochzeitslarp – Bilder und Erfahrungen

So, es ist endlich passiert. Der Ring steckt und ich hatte mit meiner Braut den schönsten Tag unseres Lebens. Wir hatten allerdings keine normale Hochzeit geplant, sondern aufgrund unserer Hobbys eine Hochzeit mit Larpprogramm veranstaltet. Ich will hier vor allem schöne Bilder posten, aber auch berichten, ob das alles geklappt hat und vor allem, was die neuen Schwiegereltern davon hielten.

Paket kaufen oder selber organisieren?

Das ist wahrscheinlich die erste Frage, die sich Verlobte stellen. Ich hatte mich zuvor im Freundeskreis umgehört. Da wurden Beiträge von 18-20.000 Euro genannt. Im Gegenzug muss sich angeblich um nicht gekümmert werden. Von der Einladung bis zur Servicekraft, die nachschenkt, soll da alles dabei sein. Die Realität sah bei meinen Freunden aber anders aus. Die Hochzeitsplanerin hat sich um wenig gekümmert, war kritikunfähig und wollte nur ihr Standardprogramm durchziehen. Das Paar hatte wenig Möglichkeiten für eigene Akzente und so wurde es am Ende leider ein wenig persönliche Feier.
Deswegen hatten wir uns gesagt, machen wir das alles selbst. Bei der ersten Ideenfindung haben wir uns dann entschieden, dass wir unseren Gäste die Geschichte unserer Beziehung über die Mittel des Larps erzählen wollten.


Selber organisieren: Daten und Herausforderungen

Eines vorne weg: wir sind insgesamt (Location, Caterer, Band, Getränke, Unterbringung Gäste, Deko, Reisekosten, Mobiliar, Gewandung, Kleinkram, Hochzeitskleidung) auf 9.000 Euro gekommen und hätten uns eigentlich auch die 2.000 für den Caterer sparen können. Vergleicht man das mit dem, was ich von Freunden und ihren Komplettpaket gehört habe, hatten wir also etwa 50% geringere Kosten. Was dabei natürlich nicht beziffert ist, ist der Organisationsaufwand und der ist erheblich. Dabei meine gar nicht einmal die Hochzeit selbst zu planen, das macht ja noch Spaß. Ich meine damit sehr gezielt, sich mit unzuverlässigen Caterern, verplanten Ämtern (unser Trauungstermin wurde „vergessen“!!!!), plötzlich kurz vor der Hochzeit abspringenden Dienstleistern und auf einmal Sonderwünsche stellenden Forderungen bestimmter Zulieferer rumärgern zu müssen. Kurzum mit allem, das fest in die Planung einkalkuliert wurde, wichtig für die gesamte Veranstaltung ist und dann kurz vor der Hochzeit einfach andere Konditionen setzt oder ganz absagt. Weil dann muss improvisiert und innerhalb kürzester Zeit Ersatz gefunden werden.
Zweiter großer Stressfaktor waren die Gäste. Wenn man alles selbst organisiert, braucht man schlicht Arbeitskraft. Demzufolge, auch das ist ungewohnt, stand bereits in der Einladung drin: wir wollen keine Geschenke, aber helft uns doch bitte beim Auf-/ und Abbau. Tjoar, wenn dann von den 50 Gästen 6 wirklich tatkräftig helfen, während der Rest sich entweder nicht blicken lässt oder sogar noch zuguckt, dann erzeugt das Stress. Übrigens auch, wenn sie einen Tag vorher anfangen zu schreiben, was sie alles auf der Feier erwarten. Darauf muss das Paar vorbereitet sein. Ich hatte in großen Teile eine mentale Grundhaltung erlebt, dass die Hochzeit eine Art Dienstleistung oder Unterhaltung wird, in das man sich mit dem Hochzeitsgeschenk reinkauft. Wenn ich also ein Paar beraten würde, dann wäre das einer meiner zu unterstreichenden Punkte: wenn ihr das selbst organisiert, macht den Gästen klar, dass sie mithelfen müssen. Das ist keine professionelle Veranstaltung, sondern lebt davon, dass jeder seinen Beitrag leistet, um zusammen eine wirklich schöne Erfahrung zu haben.
Grundsätzlich ist es aber so, wenn man seine Personen hat, auf die man sich verlassen kann, dann kann das auch großartig werden. Ich hatte etwa Personen, die zwar nicht meine Trautzeugen waren, aber über sich hinaus gewachsen sind, um mir bei der Organisation zu helfen. Ohne diese Menschen und ihr Engagement wäre eine selbstorganisierte Hochzeit mit diesen Ansprüchen meiner Meinung nach nicht möglich.

Larpanteil

Wir hatten folgenden Plan:
Trauung

9 Uhr Friseur, danach Blumenstrauß

10 Uhr Torte zur Abholung

11:30 Restaurant für beide Familien

13:30 Trauungsvorbereitung

14 Uhr Trauung

14:30 Fahrt zur Burg Lohra

Hochzeit

16:00: Zimmer verteilen, Sachen abstellen, Essen zu Buffet bringen – Begrüßung vom Paar

17:00: Larp-Act 1: Priester spielt Hochzeitszeremonie, Rede vom Paar, Ringübergabe, Auftritt Antagonist, verflucht Hochzeit

17:30: Buffet eröffnen, Getränke aus Kühlkammer holen, jeder nimmt sich erstmal was, Foto-Session

18:00 2. Larp-Act, Fluch durch Freude brechen: Vorstellung der verschiedenen Bereiche (Brettspiele, Larpkampf, tanzen) – befindet ein Meister des Bereichs einen Spieler für würdig, wird dieser ein Champion und erhält eine Klinge, die die Untreue (Antagonist) verjagen wird

19:00: feste Tanzzeit für Brautpaar und Gruppentanz

19:3020:00: Ankunft Caterer, Späher einsetzen, starke Männer helfen tragen

20:00: 3.Larp Act: Bösewicht wird in einem Kampf von Brautpaar und Champions (Einsetzen von NSCs für gleiche Zahlen) besiegt

20:30: Anschneiden Torte, Hauptmahlzeit

21:00: Gesellschaftstänze, open end

Der Plan ging super auf, vor allem weil dann auch die Gäste mit angepackt haben und die NSC für sehr viel Stimmung gesorgt hatten. Man sieht aber auch, wie eng getacktet er ist. Als Organisator hat man da nicht viel Spielraum, ist zeitgleich aber auch für Anfragen der Gäste (wir haben uns ewig nicht gesehen, lass mal quatschen! oder ich will ein Foto mit dir machen) exponiert. Das ist dann schade, Gäste vertrösten zu müssen. Hier empfehle ich stark, nicht alle Hüte auf einmal auf zu haben. Bei uns hat das zwar funktioniert, aber auch nur, weil ich ständig am arbeiten war. Das ist vielleicht nicht die Erfahrung, die das Paar an dem Tag haben möchte.

Ansonsten war der Larpanteil recht klassisch gehalten. Zunächst hatten wir die Gäste in einer Kapelle versammelt und eine Orga-Ansprache gemacht, um ihnen die Regeln mitzuteilen. Viele von ihnen waren auch schon in Gewandung angereist. Die Hochzeit war in 3 Akte unterteilt und jeder dieser Akte erzählte einen Teil aus unserer Beziehung. In der Kapelle erzählten wir etwa den Gästen, wie wir uns kennengelernt hatten und verbanden das mit süßen Geschichten. Im Speisesaal stellten wir die Leidenschaften vor, die wir teilten und die wir, über die Meister der einzelnen Bereiche, nun auch mit den Gästen teilen wollten. Der Abschluss war dann die Zukunft unserer Beziehung. Die Unlust, der Neid und alle anderen negativen Emotionen sollen sich während der Beschäftigungsphase durch das gemeinsame Erringen der Schwerter verflüchtigt haben und so haben wir als Hochzeitsgesellschaft die Untreue mit ihren Flüchen zurück geschlagen.
Das war also auch wieder ein klassisches Veranstaltungskonzept: es gibt Questgeber, die Aufgaben haben. Werden diese erfüllt, überreichen sie den Spielern die Bedingung, um an der Endschlacht erfolgreich zu sein. Die Gäste hatten bis auf wenige Ausnahmen alle eines der Angebote wahrgenommen. Das fand ich erstaunlich. Es wurden aber auch keine besondere Sprache oder Rollenspiel von ihnen gefordert, weil lediglich die Aktivitäten der Bereiche im Vordergrund standen. Das half zusätzlich, die Hemmschwelle zu senken.
Am Ende kamen zahlreiche Gäste zu mir, darunter auch meine neuen Schwiegereltern, die die Larpidee großartig fanden und sich informiert hatten, wo man sowas auch außerhalb von Hochzeiten machen könnte. Gerade die Mittelaltertänze und das Kämpfen hatten ihnen gefallen. Als Fazit kann ich also sagen: wenn man stressresistent ist, lohnt sich eine selbst organisierte Hochzeit und in unserem Fall sogar noch mehr, weil wir sie durch den Larpanteil tatsächlich unvergesslich machen konnten.

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