Kind des Regens – Erstes Buchprojekt fertig

Es ist endlich soweit. 2020 habe ich immer mal nebenbei ein paar Sätze abgetippt und 6 Jahre später bin ich nun mit 760 Seiten am Ziel. Aber das heißt, der die richtige Arbeit jetzt erst anfängt. Ich will in diesem Beitrag mal über meinen Weg als Autor und den Ausblick für das Buch schreiben.

Roman schreiben kann jeder

Das habe ich mir damals mal sagen lassen. Mittlerweile stimmt der Satz durch den Einsatz von KI wahrscheinlich auch. Aber tatsächlich ist das hobbymäßige Schreiben ohne KI-Einsatz eine Zeitinvestition, die sich gut überlegt werden sollte. ich kenne zahlreiche Freunde, die sich von den Gedanken berauscht haben lassen, ihr eigenes Buch veröffentlicht zu sehen. Tippen macht schließlich Spaß und man selbst hatte doch schon immer diese großartige Geschichte im Hinterkopf. Das kann alles richtig sein, aber ein Buch verlangt viel Zeit und ist nicht mit Entspannung gleichzusetzen. Neben der Arbeit und allen Dingen, die einem Zuhause erwarten, sich jeden Tag für eine Stunde hinzusetzen, verlangt Disziplin und Ausdauer.  

Zudem gibt es zwar den sogenannten Schreibfluss, bei dem sich die Seite im Strudel der erdachten Ereignisse von selbst füllt, aber er ist kein Dauerzustand. Überarbeitungen, Blockaden und Recherchen sind Steine, die den Fluss wie ein Damm stauen können. Da man selbst auch noch sein schärfster Kritiker sein kann, kann die Lust am Schreiben schnell verfliegen. Hierbei ist es wichtig, dass sich auch mit weniger zufrieden gegeben wird. Ich hatte teilweise Phasen, da habe ich am Tag nur ein paar Sätze geschafft. Das war in Ordnung, weil ich wusste, es kommen Szenen, da schreibe ich in der Arbeitsstunde wieder mehrere Seiten zu. Kurzum: Ja, grundsätzlich kann jeder einen Roman schreiben, aber ich habe gelernt, dass vor allem Frusttoleranz und Kontinuität dabei wichtig sind. Die Erwartungen müssen so eingestellt sein, dass sie einen längeren Prozess unterstützen, der auch Opfer von der eigenen Freizeit fordern kann. Ich kann nicht sagen, wie sich schreiben mit KI anfühlt. Wahrscheinlich bestünde dort die Gefahr, dass es ähnlich zu anderen KI-Werken klingt und der Text sich nicht nach einem selbst anhört.

Aller Anfang ist schwer

Mein Roman hatte ganz unschuldig angefangen. ich wollte meine beste Freundin mit einer Kurzgeschichte ehren. Gleichzeitig hatte ich aber auch das PnP-Projekt Sternenkinder in der Bearbeitung und ich dachte mir: wieso kombiniere ich beides nicht einfach? Die Kurzgeschichte sollte dann zu einer Reise werden, um die verschiedenen Welten meines Rollenspielsystems zu entdecken. Da ich mit der Prämisse angefangen habe, dass meine beste Freundin ein Kind in meiner Rollenspielwelt ist, welches diese erst erschließen muss, wurde es auch meine Protagonistin. Da es aber keine Kindergeschichte werden sollte, musste sie während ihrer Abenteuer heranwachsen. Das gab mir eine interessante Möglichkeit, weil ich so die Identität des Kindes durch die Eindrücke seiner Reise formen konnte. Damit war Identität als übergeordnetes Thema festgelegt.

Als Technik hatte ich mir also schon von Beginn an einen Plan überlegt, welche Stationen sie in im Laufe ihres Romans besuchen würde. Ich kannte aber weder die genauen Geschichten noch die Charaktere, denen sie dort begegnen würde. Diese habe ich dann während des Schreibens erschaffen.

Testleserabsturz

Ich hatte immer mal wieder Freunden mein erstes Kapitel geschickt. Das Feedback war immer gleich: niemand interessierte sich für die Geschichte eines Kindes. Einige wollten männliche Hauptcharaktere, andere warteten darauf, dass das Flashback endlich endete. Niemand hielt es über die ersten 30 Seiten durch. Das war wertvolles Feedback, also erarbeitete ich eine duale Erzählstruktur. Die erwachsene Protagonistin, ständig auf der Flucht vor einer noch unbekannten Bedrohung, erzeugte Action und Fragen. Sie musste sich an ihre Kindheit erinnern, um in ihren Geschichtsabschnitten überleben zu können. So begann ich ein Pacing (die Abwechslung zwischen ruhigen und schnellen Szenen) zwischen Actionabschnitten und gemütlichen, deskriptiven Abschnitten aus der Kindheit aufzubauen. Hier also mein Tipp: sobald das erste oder die ersten 1-3 Kapitel fertig sind, sollten sie einmal von jemand anderen gelesen werden. Mit der veränderten Erzählstruktur hat sich auch meine gesamte Erzählung verändert. Das war zwar viel Arbeit, aber das Buch ist dadurch deutlich spannender geworden.

Der Ausblick

Ich werde das Buch nun erst einmal lektorieren und testlesen lassen. Ist diese Arbeit getan, wird ein Expose folgen, mit dem ich mich dann bei verschiedenen Verlagen bewerbe. Grundsätzlich gilt auch hier, dass Self-Publishing eine Option ist, ich aber aufgrund meines aktiven Brettspielprojektes nur wenig Zeit dafür haben werde. Wenn ihr aber Interesse an meinem Roman habt, könnt ihr das gerne in die Kommentare schreiben, ich bin immer auf der Suche nach Testlesern.

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