Wie ich beim letzten Mal schon schrieb, habe ich über den Youtuber „Potti“ einen Kontakt vermittelt bekommen, der mich professionell bei der Erarbeitung einer Crowdfunding-Kampagne unterstützt. Ich will hier über die ersten Schritte und Herausforderungen meiner beginnenden Kampagne schreiben.
Auswahlverfahren
Vermittelt wurde mir Stefan Godot, Gründer von Blueprint Games. Es ist möglich, ihn auch einfach so anzuschreiben, da er aber mehrere Projekte gleichzeitig betreut und entsprechend viele Anfragen erhält, hat er nur geringe Kapazitäten für neue Projekte. Da hat es tatsächlich geholfen, dass Potti mich vermittelt hat. Beide sind gute Freunde und dadurch war meine Anfrage in der Wahrnehmung bei ihm auf Platz 1.
Das war aber nur der erste Schritt, um von ihm als Partner in Betracht gezogen zu werden. Als nächstes sollte ich ihm mein Spiel vorstellen. In dem Falle hatte ich Glück, weil ich das komplette Spiel bereits auf Deutsch und Englisch im Tabletop Simulator spielbar gemacht und zu 100% bebildert hatte. Dadurch konnte ich ihn sehr klar meine Mechaniken, das Thema, Spielziele usw. erklären. Für ihn galt es festzustellen, ob meine Zielgruppe groß genug war und ob sich das Spiel von der Konkurrenz abhebt. Genauso wichtig war es ihm aber auch, mich als Autor kennenzulernen. Wie er später sagte, muss dieser an sein Projekt glauben und auch bereit sein, es stolz in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn ich zu introvertiert gewesen wäre oder mein Spiel nicht ausreichend Potenzial gehabt hätte, wäre eine Zusammenarbeit nicht zustande gekommen.
Leistungen und Kosten
Seine Leistungen sind: beratende Begleitung für die Vorbereitung zur Crowdfunding-Kampagne. Dabei gibt es jede Woche ein Meeting. Er definiert Aufgaben und Zeitlinien. Außerdem stellt er sein Wissen, Links, Netzwerk usw. zur Verfügung. Es gibt für die Leistung kein Zeitlimit. Selbst wenn das Spiel noch ein Konzept wäre und 2 Jahre Entwicklungszeit benötigen würde, würde Stefan es bis zum Ende begleiten. Das Ende heißt tatsächlich das Fullfilment, also den Vertrieb der fertigen Spiele. Dazu gibt es noch eine Erfolgsgarantie. Wenn die Kampagne nicht funktionieren sollte, ist es Teil seiner Leistungen, dass eine zweite Kampagne aufgesetzt wird, bis das Spiel erfolgreich ist.
Das Ganze kommt aber auch zu einem hohen Preis. Er hat ein Berechnungsmodel, bei dem umso mehr bezahlt werden muss, je geringer sein Prozentsatz an dem Gesamtumsatz der Crowdfunding-Kampagne ist. Wenn ich gesagt hätte, er soll 0% von der Crowdfunding-Kampagne erhalten, hätte er mich 10.000 Euro gekostet. Da ich nicht vor habe mit dem Spiel reich und berühmt zu werden, sondern wie ein Geselle zu lernen, habe ich mich für seinen kostengünstigsten Tarif entschieden. Er erhält dabei 7% des Umsatzes und ich muss „nur“ 2.500 Euro bezahlen. Das tat mir selbst als jemand weh, der überdurchschnittlich gut in Deutschland verdient. Wäre ich in ein weniger privilegierten, finanziellen Situation gewesen, hätte ich nicht gewusst, ob ich mir Stefan hätte leisten können. Zumal erwähnt werden muss, dass das nur der Anfang der Kosten war.
Bürokratie
Sobald ein Projekt die Sphäre des Privaten verlassen soll, ist das mit jeder Menge Amtsgänge verbunden. Bei mir hieß das, ich musste erst einmal ein Einzelunternehmen gründen. Das brauchte einen Namen. Also heißt ab sofort der Philosoph, der auf dem Würfel sitzt, Dicetoteles. Playton war leider schon vergeben. Schon allein für die Namenswahl sind Wochen ins Land gezogen, weil ein Name verschiedene Kriterien erfüllen muss. Sternenkinder – mein ursprünglicher Name für die Welt und die IP – kann in den USA niemand aussprechen. Also musste ich auch hier für mein Spiel und die Welt einen Namen finden, der international, kurz und einprägsam ist, der zugleich aber auch die Idee des Spiels transportiert.
Danach begannen die Anmeldungen, das Hin- und Her um eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und tausend andere, kleine, nervtötende Dinge, die allerdings absolut korrekt und ordentlich bearbeitet werden mussten.
Erster Schritt: das Gamesfound Festival
Jetzt ist mein Spiel konzeptionell fertig und auch so weit getestet, dass ich es bedenkenlos auf TTS zum Spielen anbieten kann. Ich kann mich also auf grafische Umsetzung und Marketing konzentrieren. Das denkt sich jedoch viel einfacher, als es tatsächlich ist. Das aktuelle Ziel von Stefan ist, dass ich ein Box Cover anfertigen lassen, damit sich das Spiel schon einmal „wishlisten“ lässt.
Da KI-Grafiken abgelehnt werden und mein Spiel zu 100% aus KI-Grafiken besteht, muss also eine vollständige, grafische Überarbeitung stattfinden. In meiner Unerfahrenheit dachte ich, dass es dafür zahlreiche Angebote gibt und wenn ich mein Budget (nur für das Box Cover) von 2000 Euro nenne, werden sich schon Kunstschaffende finden. Von wegen. Zuerst werden die richtigen Seiten benötigt. Stefan empfahl mir Artstation, da mir da aber niemand antwortet und ein einzelner professioneller Job Post 150$ aufwärts kostet, habe ich es mit Fiverr gesucht. Aber diese Plattform ist eher für einmalige Zusammenarbeiten in einem begrenzten Rahmen. Ich benötige etwa 120 Bilder. Das lässt sich damit eher schwierig vereinbaren. Mit dem Box Cover bin ich dort auch auf die Nase gefallen. Ich hatte per KI vorgestellt, was ich gerne hätte. Die Künstlerin hat mir dann auch Skizzen geschickt, diese dann jedoch mit einer KI coloriert. Vielleicht lag es auch an der Sprachbarriere, aber ich konnte nicht vermitteln, dass KI ein Tabu war. Dadurch habe ich unnötig Geld und vor allem Zeit verbrannt.
Gerade suche ich auf Boardgamegeek, wo sich tatsächlich schon einige Künstler gemeldet haben. Allerdings waren die Stile bisher stark comiclastig. Ich benötige für das staatstragende Politikthema jedoch einen ernsten, realistischen Stil mit ruhigen, gesättigten Farben. Ich hoffe, dass ich bald etwas finde, da ich ansonsten die Zeitlinie für das Festival reißen werden.
Falls ihr konkrete Fragen habt oder Künstler kennt, schreibt mir das gerne in den Kommentarbereich!
